INTERVIEWS.

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Interview mit Role Model Radoica Ieremici
von ÖWD Cleaning Services

ÖWD (Österreichischer Wachtdienst): In Frauen zu investieren lohnt sich
Im Gespräch: Radoica Ieremici, Objektleiterin bei ÖWD Cleaning Services mit Bettina Taranetz, Marketingbeauftragte im Projekt FairPlusCleaning.

Was ist ihre derzeitige Tätigkeit und wie haben Sie sich diesen Posten erarbeitet?

"Ich bin derzeit Objektleiterin bei ÖWD Cleaning Services und sehr stolz darauf. Dass ich heute in der Position bin, war ein langer Weg. Er hat sich jedoch gelohnt. Eingestiegen bin ich vor 20 Jahren als Migrantin mit wenig Deutsch-Kenntnissen und habe mich dann von der Reinigungskraft hochgearbeitet. Ich habe die Sprache gelernt, viele Reinigungskurse belegt, PC-Kenntnisse erlangt und mich persönlich ständig weiterentwickelt. Von der Reinigungskraft bin ich zur Vorarbeiterin aufgestiegen und bin jetzt seit ca. 2 Jahren Objektleiterin bei einer der größten Reinigungsfirmen Österreichs."

Was motiviert Sie?

"Viele Dinge an der Arbeit – zum einen der rege Kontakt mit Kunden und dass es nie langweilig wird. Die Arbeit im Büro ist nicht so meins. Ich bin gerne ständig auf Achse und im Austausch mit Menschen. Zum anderen liebe ich den Geruch von Reinigungsmitteln und reinige auch selbst mit meinen MitarbeiterInnen mit. Ich liebe es, wenn nach getaner Arbeit alles rein und blitzblank ist. Dann weiß ich, dass wir einen guten Job gemacht machen."

Gab es besondere Unterstützerinnen oder Unterstützer auf Ihrem Weg?

"Sicherlich meine Vorgesetzten. Mein jetziger Chef sagte damals zu mir: Ich fördere dich, ich vertraue dir und deinen Fähigkeiten! Ich hatte manchmal das Gefühl, dass er mehr Vertrauen in mich hatte als ich in mich selbst. Ich zeige ihm mit meinem Einsatz, dass er sich auf mich verlassen kann und dass ich ihm dafür sehr dankbar bin."

Wie gestaltet sich die Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

"Viele Frauen in der Branche haben kleine Kinder zuhause und auch familiäre Probleme (Scheidungen etc.). Das ist auch bei uns so. Es ist wirklich toll, dass es jetzt das ESF-Programm FairPlusCleaning gibt, dass Frauen fördert und auch zu diesen Themen Unterstützung angeboten wird. Das ist wie ein Lotto-Sechser für uns!"

Was schätzen Sie an der Reinigungsbranche und woran sollen Firmen primär arbeiten?

"Ich schätze vor allem den Umgang mit Menschen. Und seien wir uns ehrlich: Ohne die Reinigungsbranche würde nichts funktionieren. Wir geben täglich unser Bestes, damit die Leute in Österreich ihrer Arbeit in einer gepflegten und reinen Umgebung nachgehen können und darauf sind wir stolz. Das in die österreichische Gesellschaft hinauszutragen wäre wichtig."

Welche Ausbildung haben Sie? Welche fachlichen Qualifikationen bringen Sie mit?

"Mittlerweile habe ich die Lehrabschlussprüfung in der Reinigungsbranche, mache die Ausbildung zur Meisterin und habe unzählige Kurse zu Reinigung und Management besucht. In der Anfangszeit war das aber anders. Ich sage jeder Frau, dass die Reinigung zum Einstieg optimal ist. Man kann sich viel erarbeiten."

Was würden Sie anderen Reinigungskräften raten, die sich entwickeln wollen?

"Wenn du liebst, was du machst, bist du erfolgreich! Das ist meine Grunddevise. In der Reinigungsbranche kann man sich gut entwickeln, wenn man Deutsch lernt. Viele Frauen haben Angst davor etwas Falsches zu sagen und sprechen deshalb kein Deutsch. Ich versuche da aktiv mit meinen MitarbeiterInnen zu arbeiten und sie zu motivieren die Sprache zu lernen. Das hilft den Frauen sowohl im Kontakt mit KundInnen als auch im Privatbereich, wenn sie sich plötzlich trauen auf Klassentreffen oder allein shoppen zu gehen. Ich sage, man braucht eigene Ziele, Willen und Mut. Dann ist alles möglich."

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Interview mit Role Model Hanelore Pekarek
von da-ka

da-ka setzt auf soziale Laufbahnen und weibliche Vorbilder in der Branche
Im Gespräch: Hanelore Pekarek, Hausbetreuerin und „Klassensprecherin“ bei da-ka mit Bettina Taranetz, Marketingbeauftragte im Projekt FairPlusCleaning.

Was ist ihre derzeitige Tätigkeit und wie haben Sie sich diesen Posten erarbeitet?

"Ich bin damals vor 17 Jahren als Leiharbeiterin in die Firma da-ka eingestiegen und habe mich seither sehr gut entwickeln können. Ich bin aufgrund meiner Leistungen übernommen worden und arbeite seit langem Vollzeit als Hausbetreuerin. Für eine Frau ist das eher unüblich, macht mir aber großen Spaß."

Was hat Sie dazu motiviert, Vollzeit Hausbetreuerin zu sein?

"Ich bin sehr gerne Hausbetreuerin. Mir gefällt der Umgang mit Menschen. Als zentrale Anlaufstelle kann ich sehr vielen Menschen eine unmittelbare Hilfe sein. Natürlich geht das nur, wenn man Bezug zu den Leuten hat und schon länger in einer Anlage tätig ist. Zur Vollzeit-Position haben mich mein Sohn und die Aussicht uns ein gutes Leben zu bieten motiviert und ich selbst kann mir natürlich auch mehr leisten." 

Weil Sie gerade Ihren Sohn ansprechen - wie gestaltet sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

"In der Hausbetreuung konnte ich sehr oft untertags arbeiten, was vieles leichter macht. Die Tagesreinigung wäre generell für viele Reinigungskräfte eine Erleichterung. Ich habe oft dann gearbeitet, wenn die Kinder im Kindergarten oder der Schule waren. Außerdem hatte ich meinen Mann, der mich dabei immer unterstützt hat und sehr verständnisvoll war. Er hat genau wie ich die Kinder abgeholt und mir im Haushalt geholfen. Ohne Arbeitsteilung zuhause funktioniert der Vollzeit-Job nicht."

Gab es außerhalb der Familie noch besondere Unterstützerinnen oder Unterstützer?

"Da fallen mir sowohl mein „Alt“- als auch mein „Jung“-Chef ein. Mein alter Chef war sehr sozial. Jede(r) in der Firma wusste, dass man zu ihm kommen konnte, wenn der Hut brennt. Ehrlichkeit und Vertrauen wird nach wie vor bei da-ka groß geschrieben. Das beruht natürlich auf Gegenseitigkeit. Ich mache meine Arbeit gut – darauf kann sich mein Chef verlassen. Im Gegenzug steht er mit Rat und Tat zur Seite, wenn es bei mir oder anderen gerade nicht so gut läuft."

Wie sieht das in der Praxis aus?

"Seit 6-7 Jahren bin ich eine Art „Klassensprecherin“ also Ansprechpartnerin für alle Kollegen und Kolleginnen. Sie können einmal pro Woche zu mir kommen und sich mit mir austauschen, wenn es Probleme im Arbeitsalltag gibt oder auch Privates, das in den Beruf mit hineinspielt. Wer sich nicht traut, kann sein Problem auch anonym verfassen und in den dafür vorgesehenen daka-Postkasten werfen. Letzteres ist aber noch nie vorgekommen, weil alle Vertrauen zu mir haben – das macht mich sehr stolz. Ich gehe dann mit den Problemen zum Chef, bespreche das vor und wir finden dann gemeinsam eine Lösung."

Was würden Sie anderen Reinigungskräften raten, die sich entwickeln wollen?

"So einfach es klingt: Sie müssen nur wollen und die Arbeit muss Spaß machen. Freundlichkeit ist alles, das fängt schon beim Grüßen an. Je länger man in einer Anlage ist, desto größer wird der Bezug und man fühlt sich als Teil des Ganzen. Es ist sehr schön angenommen und geschätzt zu werden."

Wie wichtig schätzen Sie die Rolle der Sprache Deutsch ein?

"Sehr wichtig! Ich motiviere andere Deutsch zu lernen, da es sonst nur zu Missverständnissen im Team und bei KundInnen kommt. Ich sage immer „wenn du es nie versuchst, wirst du es nie lernen!“ Das gilt auch für Maschinen und Geräte. Viele Frauen haben Angst davor sich zum Beispiel auf einen Schneepflug zu setzen. Aber das ist nur, weil sie es noch nie versucht haben. Genau da setzt auch das Projekt FairPlus- Cleaning an. Hilfe bei Problemstellungen und Stärkung der Frauen ist in unserer Branche besonders wichtig. Bei FairPlusCleaning werden Frauen dazu ermutigt, Dinge auszuprobieren und ihnen Hilfe bei ihrem „ersten Mal“ angeboten."

Welche Ausbildung haben Sie und was schätzen sie an der Reinigungsbranche?

"Ich war schon in vielen Branchen tätig – zuerst als Gesellin in der Strickwarenerzeugung, danach in der Gastronomie und im Handel. Die Reinigung hat mir aber am besten gefallen und darum bin ich da auch geblieben. Es ist sehr abwechslungsreich – einmal draußen, einmal drinnen – und ich bin mit den verschiedensten Menschen zusammen. In einem Satz: „Mir macht‘s Spaß und es geht mir gut“."

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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Interview mit Role Model Kata Papp
Facility Managerin Technikum Wien

Der Quereinstieg in die Reinigungsbranche lohnt sich!
Im Gespräch: Kata Papp, Facility Managerin beim Technikum Wien mit Bettina Taranetz, Marketing-Beauftragte im Projekt FairPlusCleaning.

Was ist ihre derzeitige Tätigkeit und wie haben Sie sich diesen Posten erarbeitet?

"Ich habe im Jahr 2000 als Mitarbeiterin im technischen Support der FH Technikum Wien begonnen und bin jetzt Facility Managerin der FH Technikum Wien. Ursprünglich habe ich Informatik studiert – schuld daran war mein Bruder (lacht). Ich habe aber sehr bald herausgefunden, dass Informatik mich nicht glücklich macht. Ich habe mich schon immer mehr für Menschen und Psychologie interessiert. Darum habe ich neben meiner Tätigkeit an der FH eine Ausbildung im Bereich Naturheilkunde in Ungarn absolviert und nebenbei eine Praxis als Heilpraktikerin und Life Coach aufgebaut."

Wie sind Sie Facility Managerin geworden?

"Aufgrund meiner Leistungen wurde mir die Leitungsfunktion angeboten. Und dieses Angebot habe ich angenommen. Es gab viel zu tun. Im Bereich Reinigung gab es keine Struktur. Ich habe von Grund auf alles reformiert. Auch mit dem Umzug ins neue Gebäude kamen neue Herausforderungen durch mehr Fläche und so weiter. Und weil alles gut funktioniert hat, wurde ich schließlich auch noch Leiterin des Empfangs. Das war alles innerhalb von drei Jahren." 

Also eine relativ kurze Zeit für diese beachtlichen Schritte. Wie geht es Ihnen jetzt mit der Vereinbarung von Beruf und Familie?

"Anfangs war es schwierig, weil die Funktion neu war und sich vieles erst einspielen musste. Zwischendurch habe ich gezweifelt, ob es richtig war, diese Herausforderung anzunehmen. Mittlerweile geht es mir sehr gut und die Arbeit macht mir großen Spaß. Nicht, weil ich Leiterin bin, sondern weil ich das Gefühl habe, dass mir die Leute vertrauen. Sie kommen nicht nur mit beruflichen, sondern auch mit privaten Problemen zu mir. Das bedeutet mir viel und zeigt mir, dass ich mich richtig entschieden habe. Ich kann mit Menschen arbeiten, das ist genau das, was ich wollte!"

Was motiviert Sie bzw. was bedeutet Erfolg für Sie persönlich?

"Dass Leute schätzen, was ich mache. Das ist Erfolg für mich."

Gab es besondere Unterstützerinnen oder Unterstützer?

"Ich kann sagen, dass ich großes Glück mit meinen Kollegen hatte. In schwierigen Zeiten, vor allem in meiner Anfangszeit als ich frisch aus Ungarn kam und niemanden kannte, sind meine Kollegen von Anfang an hinter mir gestanden."

Gab es auf Ihrem Karriereweg auch Faktoren, durch die Sie gebremst wurden?

"Natürlich. Ich meine, in 14 Jahren bei derselben Institution gibt es klarerweise gute und weniger gute Phasen. Aber wenn ich zurückblicke, ergibt alles einen Sinn. Oft erkennt man erst später, warum sich gewisse Dinge so entwickelt haben." 

Sie haben schon früh neben ihrer Tätigkeit an der FH eine Ausbildung gemacht. Spielt Weiterbildung jetzt auch eine Rolle für Sie?

"Immer. Man muss sich weiterentwickeln. Ich habe vor kurzem das Gender-Seminar besucht und bin zertifizierte Gender und Diversity-Beraterin. Das hilft mir sehr in meinem Beruf. Ich arbeite mit vielen verschiedenen Menschen zusammen, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, Menschen die schlecht Deutsch sprechen und ein Großteil davon sind Frauen. Die Ausbildung hat mir geholfen, ihre Probleme, Wünsche oder Reaktionen besser zu verstehen." 

Haben Sie einen Tipp für andere Frauen in der Reinigung, die Karriere machen oder sich entwickeln wollen?

"Ja: sich weiterbilden und auch als Erwachsene das Träumen nicht verlernen! Wenn man an sich und glaubt, kann man viel erreichen! Genau da setzt auch das Projekt FairPlusCleaning an und deshalb schätze ich es sehr!"

Herzlichen Dank für das Gespräch!